Impuls zum 5. Mai 2026
Von Albert Hohmann (Föhren), pax christi Trier
Trösten und Stärken
1 Petr 2,4-10
4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! 5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen! 6 Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen kostbaren Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. 7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, 8 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. 9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. 10 Einst wart ihr kein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden.
Die Würde der Taufe stärkt
Der Petrusbrief richtet sich „an die auserwählten Fremdlinge der Zerstreuung“ in Kleinasien. Diese Formulierung war schon bei den Juden für die Diaspora üblich. Wie auch diese waren die Christen in ihren Gesellschaften Fremdlinge. Sie waren nicht geachtet und mit Vorurteilen bedacht. Inzwischen wurden die christlichen Gemeinschaften auch zusätzlich bedrängt und angefeindet.
Der Autor stärkt die Christen, indem er sie darauf aufmerksam macht, was ihnen durch die Taufe Großes widerfahren ist. Sie sind berufen, mit dem lebendigen Stein Jesus Christus ein geistiges Haus und eine heilige Priesterschaft zu bilden, um geistige Opfer darzubringen. Allerdings ist dieser Stein ein Eckstein, an dem sich alle, die nicht glauben, stoßen und so zu Fall kommen.
Auf vielerlei Weise beschreibt der Petrusbrief die Würde des Christseins. Sie sind Gottes Volk, denn sie haben Erbarmen gefunden. Sie sind auserwähltes Geschlecht, königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, Gottes besonderes Eigentum. Sie sind so dazu berufen, Gottes große Taten zu verkünden.
Als Fremdlinge und Bedrängte wird ihnen vor Augen geführt, was Großartiges für sie geschehen ist, da sie von Gott eine besondere Würde erhalten haben. Das kann sie in aller Drangsal stärken.
Assoziationen
A. Wer Fremder ist und dort, wo er lebt, als Fremder behandelt wird, bedarf des Trostes und der Stärkung. Wer erfährt, dass er als Fremder angesehen wird, bedarf nicht nur seinen Unterhalt. Er bedarf des Zuspruchs und der Anerkennung. Er lebt davon, dass seine Würde gesehen wird.
B. Die Kirche hat es verstanden, Würdetitel zu vergeben. In meinen Jugendjahren war die Anrede Hochwürden noch verbreitet. Durch das Geflecht der Prälaten und Monsignori blickt kaum ein Laie durch. Dagegen betont der Petrusbrief, die Taufe ist der Ursprung für die Würde eines jeden Christen. Sie schafft Zugehörigkeit zu Gottes Volk, der königlichen Priesterschaft. Das ist die Grundlage, nicht irgendwelche institutionelle Ehrungen.
Joh 14,1-12
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. 5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? 6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. 7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. 9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. 11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! 12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
Vermächtnis
Die sogenannten Abschiedsreden im Johannesevangelium wollen die Gemeinden, denen der rauhe Wind des römischen Reiches entgegenweht – sie werden verfolgt – im Glauben stärken. Was die Gemeinden in den Wirren und in der Bedrängnis brauchen, wird von den Jüngern Thomas und Philippus erfragt. Jesu Rede zu den Jüngern soll die Gemeinden in schwierigen Zeiten stärken. Sie können sich an Gott und an ihm fest machen(glauben). Er wird sie heimholen. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer Jesus begegnet, wer ihn in seinen Worten und Werken wahrnimmt, begegnet dem Vater. Er ist nicht nur Künder von der nahen Herrschaft Gottes, er lebt sie und offenbart so ihre Wahrheit. Wer sich darauf einlässt, erhält mehr als vergängliches Leben, er hat Anteil am Leben Gottes, im Evangelium als ewiges Leben bezeichnet. Im Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen wird das deutlich. „Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“
Auf dem Wege
Auch wenn man die Verhältnisse im römischen Reich nicht direkt mit den heutigen vergleichen kann, muss man feststellen, dass diese von einer Kultur des Todes bestimmt sind. Für das Jahr 2024 wurden 61 kriegerische Konflikte in 36 Staaten gezählt. Tausende Menschen werden in Ländern wie der Ukraine, im Gazastreifen, im Sudan oder im Kongo verletzt oder getötet. Neue sind wie im Iran oder dem Libanon hinzugekommen. Machthaber setzen auf Gewalt oder deren Androhung, um ihre Ziele zu erreichen. Politiker propagieren Aufrüstung und fordern Kriegstüchtigkeit ein. Man investiert in die Werkzeuge des Todes. Papst Leo kritisiert das deutlich, wenn er darauf hinweist, dass sogar der "heilige Name Gottes "für Todesreden herangezogen werde.
Aber, schon ohne Krieg sind die Verhältnisse zerstörerisch, ja tödlich. Millionen von Menschen hungern und verhungern. Selbst in wohlhabenden Ländern wie Deutschland wächst die Zahl der Armen. Viele sind für ihre Ernährung auf die Tafeln angewiesen, die schon lange ihre Überforderung kundtun. In den deutschen Bahnhofsmissionen suchen über 70% aus Armut um Hilfe, nicht, weil sie Reisende sind. Die Zahl der Obdachlosen nimmt rapide zu. Im Januar 2025 wurden 137 000 Obdachlose unter 18 Jahren gezählt.
Menschen, die glauben, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, geraten unter Druck. Es ist schwer für sie, ihren Weg zu gehen. Wer eintritt für seine Botschaft der Bergpredigt, wird als naiv bezeichnet, er gilt als Unterstützer der ausgemachten Feinde. Gelebte Solidarität wird als Handeln von „Gutmenschen“ disqualifiziert. Es ist nicht leicht, unter den gegebenen Bedingungen zu leben, was in Jesus sichtbar geworden ist, sich an der Botschaft des Evangeliums festzumachen. Dennoch, Jesu Worte von der Herrschaft Gottes und sein Handeln zum Heil der Menschen kennzeichnen den Weg zum Leben. Liebende Zuwendung zu anderen Menschen, Solidarität mit ihnen eröffnen dieses Leben.
Das Evangelium von heute sagt, auf diesen Weg, auf ihn und seinen Vater können wir uns verlassen. Es sagt, habt Mut den Weg des Lebens zu gehen.
Mit ausgebreiteten Armen
Wilhelm Bruners
Und immer noch öffnen sich
deine Arme über uns
über Ernten und Säen
über Gerechte und Ungerechte,
über Mörder und Opfer.
Deine Augen wenden sich nicht ab
von den Müttern, deren Liebe
die Kinder nicht retten konnte
vor den Bajonetten
und Stiefeln der Gewalttäter.
Sie wenden sich nicht ab
von den Rechnungen der Reichen
und der Mathematik ihres Profits.
Vor ihren gefälschten Gewichten
und ihren mörderischen Zinsen
Immer noch erträgst Du
die Feuer der Öfen
und den Rauch der Raketen;
immer noch wartest Du,
dass Kain sagt:
Ja, du bist mein Bruder.
Deine Ohren hören
die letzten Atemzüge der Kinder,
die kaum gelebt,
das erbitterte Schreien
aus überfüllten Lagern.
Sie hören das Schweigen der Verstummten,
für die sich Nacht über ihren Mund
gelegt hat.
Aber immer noch steigt zu Dir
unsere Hoffnung auf,
dass die Leidenschaft der Menschen
sich auf den Frieden stürze
und nicht auf Waffensysteme;
dass die Zeitungen berichten
über die Rückkehr der Worte:
»Fürchte dich nicht«
»Hab keine Angst,
denn ich bin bei dir«,
oder:
Komm in mein Haus,
das meine ist dein!«
»Alle Schulden sind dir vergeben«.
Und das Wort Freundschaft
heißt Freundschaft,
und Solidarität
ist kein Fremdwort mehr
unter deinem weiten Himmel
den keiner übersehen kann.